Das Weiterbildungsstipendium des Bundesbildungsministeriums

Fahrzeuglackiererin Johanna Kaiser macht es Spaß, Altem ein neues Erscheinungsbild zu geben. (Foto: Johanna Kaiser)

Johanna Kaiser ist als Frau in einer Männerdomäne sehr erfolgreich: Mit dem Weiterbildungsstipendium hat sie 2019 ihre Meisterin als Fahrzeuglackiererin gemacht. „Auf der Meisterschule habe ich vor allem unternehmerisches Denken gelernt. Aber auch Selbstorganisation und Projektmanagement wurden intensiv gefördert“, berichtet die 22-Jährige.

Das Weiterbildungsstipendium unterstützt junge Fachkräfte wie Johanna Kaiser nach dem besonders erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung bei der weiteren beruflichen Qualifizierung. In das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) können jährlich rund 6.000 Stipendiatinnen und Stipendiaten neu aufgenommen werden, aktuell sind über 17.000 berufliche Talente in der Förderung.

„Das Stipendium bekam ich, weil ich bei den Berufswettbewerben in Hessen Landessiegerin geworden bin. Außerdem habe ich den Bundesleistungswettbewerb gewonnen und war Kammersiegerin. Das heißt, ich hatte in meinem Abschlussjahrgang den besten Gesellenbrief“, erklärt Johanna Kaiser. „Seit der Meisterschule weiß ich, wie man einen Betrieb führt, wie die Buchhaltung funktioniert, wie ich richtig kalkuliere und was bei Arbeitsverträgen zu beachten ist. Dass ich professioneller und selbstbewusster geworden bin, ist nicht nur für mich ein Gewinn, sondern auch für meinen Betrieb. Dort habe ich bereits die Lehre absolviert und bin nach meiner Meisterprüfung gerne wieder zurückgekehrt. Seitdem arbeite ich nicht mehr in der Werkstatt, sondern auf der organisatorischen Ebene. Für mich war es ein Vorteil, dass ich parallel zur Meisterschule auch für die WorldSkills in Kasan trainiert habe – das hat sich gegenseitig sehr gut ergänzt. Eines ist jedenfalls klar: Wer die Chance erhält, ein Weiterbildungsstipendium zu bekommen, muss sie auf jeden Fall nutzen!“

Förderung für Talente in der beruflichen Bildung

„Die Erfahrung zeigt, dass junge Berufstätige durch die Förderung regelrecht aufblühen. Natürlich spielt die finanzielle Förderung eine große Rolle. Aber darüber hinaus erfahren die Geförderten durch das Stipendium eine große Wertschätzung. Dieses Gefühl der Anerkennung ihrer beruflichen Leistungen ist ein starker Ansporn, wenn es darum geht, sich im Beruf weiterzuentwickeln. Motivation und Finanzierung gehen dank des Stipendiums Hand in Hand“, beobachtet Andreas van Nahl von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB), die die bundesweite Durchführung des Weiterbildungsstipendiums im Auftrag und mit Mitteln des BMBF koordiniert.

„Für viele stehen dabei erst einmal die ,großen‘ Weiterbildungen im Fokus, sprich: Meister/in, Fachwirt/in, Betriebswirt/in oder Techniker/in. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, auch ‚kleinere‘ Fortbildungen zu absolvieren, wie zum Beispiel Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung, Mitarbeiterführung, zum Konfliktmanagement, Fremdsprachen, EDV oder Rhetorik. Wer das möchte, kann sich Lehrgänge selbst aussuchen und mit der zuständigen Kammer klären, ob sie förderfähig sind. Das können auch außergewöhnliche Bildungsmaßnahmen sein: Einmal hatten wir beispielsweise einen Elefantenpfleger aus dem Zoo, der eine Fortbildung zur Geburtshilfe für Elefanten absolviert hat. Und eine Fachkraft aus dem Gartenbau besuchte einen Lehrgang zur Bonsaikultur in Japan“, betont van Nahl.

EuroSkills Budapest 2018 - WorldSkills Germany
Steffen Weißmann nahm als IT-Netzwerker an der EM der Berufe in Budapest sowie der WM der Berufe im russischen Kasan teil. (Foto: Frank Erpinar)

Seit Anfang des Jahres 2020 stehen für jede und jeden Geförderten bis zu 8.100 Euro bereit, die für Fortbildungsmaßnahmen abgerufen werden können. Das Stipendium deckt sämtliche Kosten bei einem Eigenanteil von zehn Prozent. Die Voraussetzungen für eine Bewerbung sind 87 oder mehr Punkte nach dem Punkteschlüssel der IHK oder eine Abschlussnote von 1,9 oder besser im Handwerk. Dabei zählen nur die Noten der Ausbildungsprüfung und nicht die der Berufsschule. Für die Bewerbung um ein Weiterbildungsstipendium qualifiziert sich auch, wer bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb unter die ersten Drei gekommen ist oder seine besondere Qualifikation durch einen begründeten Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule nachweisen kann.

Mit dem Weiterbildungsstipendium zum „Operative Professional“

Steffen Weißmann (22) hat eine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration absolviert. Im Anschluss durchlief er mit dem Stipendium 2,5 Jahre lang berufsbegleitend die Weiterbildung zum „Operative Professional“ – einer Aufstiegsfortbildung im IHK-System, die der Meisterprüfung gleichgestellt ist. 2018 war er bei den EuroSkills im Teamwettbewerb ICT Specialists und 2019 bei den WorldSkills im Wettbewerb IT Network Systems Administration dabei.

„Bis auf einige wenige Präsenztage konnte ich den Unterricht in Form von Webkursen von zu Hause aus mitmachen“, erzählt er. „Inzwischen habe ich alle notwendigen Einheiten geschafft und mit den Prüfungen angefangen. In der Weiterbildung wurden mir Tools für die Projektleitung und für die Analyse von IT-Systemen vermittelt. Die Weiterbildung umfasste auch einen Ausbilderschein und Wissen zum Thema Mitarbeiterführung. Von dem, was ich aus der Weiterbildung mitgenommen habe, profitiere ich sehr: Inzwischen gehe ich in meinem Beruf wesentlich systematischer vor. Aus der Vielzahl von Tools und Ideen, die man dort mitbekommt, habe ich mir eine Möglichkeit ausgesucht, die ich nun regelmäßig anwende. Meinen Kunden gegenüber bin ich wesentlich schneller und sicherer geworden.

Bei der Weiterbildung hat mir geholfen, dass ich zuvor bereits mehrfach an Berufswettbewerben teilgenommen hatte. Durch das Training hatte ich gelernt, effektiv auf ein Ziel hinzuarbeiten, völlig neue Aufgaben alleine zu bewältigen und zu analysieren, an welchen Stellen ich noch nachtrainieren muss. Durch das Weiterbildungsstipendium konnte ich die Fähigkeit, strukturiert zu arbeiten und mich auf ein Ziel zu fokussieren noch weiter verbessern.“