Janis Gentner mit der erhobenen Hand, der internationalen Pose für #ChooseToChallenge. (Foto: Janis Gentner)

Das internationale WorldSkills-Netzwerk widmet sich im Monat März unter dem Motto #ChooseToChallenge Frauen weltweit und beschäftigt sich dabei auch mit den Themen Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit. Anlass hierfür ist der „Internationale Tag der Frauen“ am 8. März, der den Fokus auf die Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter lenken soll.

In den vergangenen Wochen kamen bereits verschiedene WorldSkills-Aktive zu Wort.

Dieses Mal haben wir Weltmeister Janis Gentner (WorldSkills Kasan 2019) zum Thema Gleichberechtigung und Gleichstellung befragt.

Warum brauchen wir im Jahr 2021 Gleichberechtigung?
Weil wir noch keine Gleichberechtigung haben. Frauen erhalten weniger Entgelt, daraus ergeben sich geringere Renten. Dafür leisten sie mehr unbezahlte Arbeit, gerade auch mehr Sorgearbeit in der Familie, wie Kindererziehung und Pflege von Angehörigen. Auch sind sie in unseren Parlamenten nicht entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung vertreten. So sind zum Beispiel im neu gewählten Landtag von Baden-Württemberg nicht einmal ein Drittel Frauen. Irgendwo habe ich einmal den Satz gelesen „Partizipation braucht Repräsentation“. Das bringt es auf den Punkt.

Wie ist Gleichberechtigung zu erreichen?
Als erstes geht es sicher darum, herauszufinden, wo genau Ungleichheit zwischen den Geschlechtern herrscht. Dann muss man überlegen, wie das geändert werden kann. Dazu braucht es sicher Gesetze. Beispielsweise im Steuersystem oder auch konkrete Regelungen, wie Quoten. Was wir aber auch brauchen, ist eine Haltungsänderung bei Männern. Wenn diese sich nicht ändern, zum Beispiel sich bei der Sorgearbeit mehr beteiligen, wird sich wenig ändern. Ich glaube, Männer profitieren von Gleichberechtigung, weil sie auch Verantwortung teilen können. Bei neuen Gesetzen, überhaupt bei allen Entscheidungen, sollte überprüft werden, ob der Beschluss ein Geschlecht bevorzugt oder benachteiligt, dann wird die Ungleichheit nicht noch größer.

Was entgegnest du, wenn jemand auf das „schwache“ Geschlecht zu sprechen kommt und damit Frauen meint?
Dann sage ich, du kennst wohl meine Mutter nicht. Sie ist alles andere als schwach. Stärke hat nichts mit Muskeln zu tun, sondern vor allem mit innerer Kraft.

Wie spiegelt sich das in deinem Alltag beziehungsweise deiner Vergangenheit wieder?
Mein Leben ist viel entspannter, wenn ich nicht den Macker geben muss, sondern allen auf Augenhöhe begegne. Echte Männer haben es nicht nötig, Frauen klein zu halten. Bevor ich meine Ausbildung begonnen habe, waren in der Schule immer Jungs und Mädels ziemlich gleich, ja die Mädels hatten oft die besseren Noten, halfen mir bei Hausaufgaben. In der Ausbildung war das dann irgendwie anders. Im Handwerk, auch bei den Fliesenlegern, gibt es total wenige Frauen. Ich habe das Glück mit einer Frau als Fliesenleger zusammenzuarbeiten. Sie macht sogar die Meisterausbildung. Auch konnte ich mit Frauen durchaus positive Erfahrungen machen, als ich 2019 mit WorldSkills Germany in Kasan war.

Weitere Beiträge können Sie hier nachlesen:

Zum Statement Hubert Romer, Geschäftsführer WorldSkills Germany
Zum Statement von Jessica Jörges, Champion bei der WM der Berufe in Kasan 2019 in der Disziplin „Maler/in“
Zum Statement von Sophia Warneke, Champion der WM der Berufe 2015 in Sao Paulo in der Disziplin „Gesundheits- und Sozialbetreuung“