Der Frauenanteil in der Wissenschaft beträgt weltweit 29 % (UNESCO-Institut für Statistik, 2014). Deutschland liegt innerhalb der EU dabei mit 27,9 % auf dem vorletzten Platz. In Bezug auf die Naturwissenschaften erzielen Mädchen und Jungen gleich gute schulische Ergebnisse. Aber nur wenige junge Frauen entscheiden sich schließlich für ein naturwissenschaftliches Studium.

Mit dem internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft unterstreicht die UN die Notwendigkeit der gleichberechtigten Teilnahme der Geschlechter. Um die geschlechtsspezifische Ungleichheit in der Wissenschaft zu bekämpfen, spielen Vorbilder eine große Rolle.

Auch wenn die Wissenschaft weit mehr ist als nur der naturwissenschaftliche Bereich, haben wir einmal bei Sophie-Charlotte Keunecke nachgefragt, was sie über den geringen Anteil von Frauen in der Wissenschaft denkt. Nach einem Bachelorstudium absolviert sie derzeit ihren Master in Mechatronik in Aachen. Als Teilnehmerin der WorldSkills Kasan 2019 im Future Skill „Robot Systems Integration“ gewann sie mit ihrem Teamkollegen Thomas Haag Bronze.

„Frauen und Mädchen sind auch heute noch in der Wissenschaft ein stark unterrepräsentierter Teil unserer Gesellschaft. Insbesondere Deutschland gehört innerhalb Europas zu den traurigen Schlusslichtern. Dabei sind die Hürden und Steine, die Frauen heutzutage im Weg liegen, oft nur eine mentale Problematik. Da gibt es meiner Meinung nach zwei Seiten: Einerseits sollte man sich von nichts und niemandem sagen lassen, dass man etwas nicht kann oder nicht dazugehört. Es ist wichtig, sich niemals beiseiteschieben zu lassen. Andererseits darf man sich selbst aber auch nicht einreden, dass man etwas nicht kann oder im Vergleich gar schlechter sei. Jeder denkt anders und löst eine Aufgabe anders, diese Vielfalt ist wichtig und nötig!“

Laut Sophie Charlotte Keunecke reiche es nicht, allein auf die Problematik hinzuweisen. „Auf Unterschiede, die meist nicht einmal existieren, aufmerksam zu machen, ist eher der Weg in die falsche Richtung„, so die 25-Jährige. „Die Schranke darf gar nicht erst im Kopf entstehen. Wir müssen zusammenarbeiten, akzeptieren aber auch agieren. Nur als Einheit schaffen wir es, diese Steine und Hürden gänzlich auszuräumen.“ Mit diesen Worten ist Sophie Charlotte Keunecke ein absolutes Vorbild als junge Frau in der Wissenschaft.

Es gibt mehr als nur einen Grund, weshalb nur so wenige Frauen in der Wissenschaft tätig sind. Einer: Wir Menschen haben über unsere Lebensdauer gewisse Stereotypen in unseren Köpfen verankert. Ein bekannter Stereotyp ist dabei, dass Wissenschaft und Technik von Natur aus einfach nichts für Mädchen sind. Aber eine umfangreiche Studie hat ergeben, dass viele Mädchen Naturwissenschaften lieben. Jedenfalls am Anfang, denn irgendwann lässt die Interesse nach. Warum? Die Deutsche Welle geht in ihrem Video „Warum gibt es nicht mehr Frauen in den Naturwissenschaften? | Projekt Zukunft“ darauf ein. Die Interviewpartnerin Christina Kibuta (Universität Dar Es Salaam, Tansania) glaubt, es hat damit zutun, wie die Wissenschaft in der Gesellschaft präsentiert wird – als ein Bereich, der wirklich schwer ist und daher nur für Männer geeignet. „Wenn man also mit einer solchen Denkweise aufwächst, will man schließlich keine naturwissenschaftlichen Fächer mehr studieren, weil man bereits im Hinterkopf hat, dass alles sehr schwierig ist.“ Was Kibuta hier beschreibt, nennt man stereotype threat. Laut Deutscher Welle zeigten Studien, dass beispielsweise allein der Glaube daran, schlecht in Mathe zu sein, eine Person tatsächlich schlecht in Mathe macht.

Der internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft kann also die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die „Norm“, nämlich dass nur Männer in diese Berufssparte gehören und Frauen als Abweichung von dieser gesehen werden, sich ändern sollte.