Das Bundesleistungszentrum für Fahrzeuglackierer/innen

V.l.n.r.: Hubert Romer (Geschäftsführer WorldSkills Germany), Susanne Haus (Vizepräsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main) und Mariusz Dechnig (Fachzentrumsleiter der HWK Frankfurt-Rhein-Main und WorldSkills-Bundestrainer) bei der feierlichen Bekanntgabe der Zertifizierung zum Bundesleistungszentrum für Fahrzeuglackierer/innen. (Foto: Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main)

V.l.n.r.: Hubert Romer (Geschäftsführer WorldSkills Germany), Susanne Haus (Vizepräsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main) und Mariusz Dechnig (Fachzentrumsleiter der HWK Frankfurt-Rhein-Main und WorldSkills-Bundestrainer) bei der feierlichen Bekanntgabe der Zertifizierung zum Bundesleistungszentrum für Fahrzeuglackierer/innen. (Foto: Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main)[/caption]

Dieser Beitrag erschien in Auszügen im WorldSkills Germany Magazin – Ausgabe 17 (September 2020). Lernen Sie unser Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen kennen >>

Das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Weiterstadt ist neben Frankfurt und Bensheim einer von drei Bildungsstandorten der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. 1972 wurde es als eines der ersten Ausbildungszentren für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung in Deutschland eröffnet. Inzwischen stehen in Weiterstadt 1.100 Plätze für den Schulungsbetrieb, 35 Lehrwerkstätten, zehn Lehrsäle und drei Computerräume zur Verfügung. Seit 2016 ist das BTZ Weiterstadt von WorldSkills Germany zertifiziertes Bundesleistungszentrum für Fahrzeuglackierer/innen.

„Weiterstadt ist ein Standort, an dem das Thema Digitalisierung sehr intensiv forciert wird. Im Rahmen dessen kann man beispielsweise im Fach Robotik lernen, wie Roboter programmiert werden“, berichtet Patricia C. Borna, Leiterin Kommunikation und Marketing sowie Pressesprecherin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. „In vielen Berufen haben wir es mit Innovationen und Zukunftstechniken zu tun und müssen uns dementsprechend aufstellen. Dafür braucht man dringend Fachkräfte, die verzahnt denken können. Nicht zuletzt aus diesem Grund nennen wir uns ‚Rhein-Main-Campus‘. Der Campusgedanke bedeutet für uns, dass wir Schnittstellen zwischen den Universitäten und der beruflichen Bildung bedienen möchten. Daher arbeiten wir sehr eng mit Berufsschulen zusammen und versuchen, all das miteinander zu verzahnen und unseren interdisziplinären Campus voranzutreiben“, so Patricia C. Borna weiter. Außerdem möchte der Rhein-Main-Campus Abiturientinnen und Abiturienten oder junge Menschen, die ihr Studium abgebrochen haben, für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen. Für sie wurde – gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt – das Projekt „Your Push“ (www.yourpush.de) ins Leben gerufen. Die Initiative soll neue Perspektiven eröffnen und dazu ermutigen, die Qualifikationen aus Abitur und Studium in einen neuen Karriereweg im Handwerk einzubringen.

Die Teilnehmer/innen, die sich für eine Aus- oder Weiterbildung in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main entscheiden, kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Für sie wurde am BTZ Weiterstadt ein Internat errichtet. Neben der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und den Meisterkursen finden in Weiterstadt beispielsweise Fortbildungen zum Betriebswirt/zur Betriebswirtin des Handwerks oder – in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) – auch Kurse zum/zur Internationalen Meister/in statt. Neben dem Fahrzeuglackiererhandwerk ist der Gerüstbau ein wichtiger Schwerpunkt. Zudem bietet das BTZ Weiterstadt mit der Frankfurter Fleischer- und Bäckerfachschule J.A. Heyne zahlreiche Weiterbildungen im Lebensmittelhandwerk an.

Fahrzeuglackierer/innen trainieren für Berufswettbewerbe

2016 wurde das BTZ Weiterstadt von WorldSkills Germany zum Bundesleistungszentrum für Fahrzeuglackierer/innen zertifiziert. Seitdem trainieren hier unter der Anleitung von WorldSkills-Bundestrainer Mariusz Dechnig junge Fachkräfte für internationale Wettbewerbe und Auswahlwettbewerbe. „Am BTZ in Weiterstadt führen wir nach eingehender Analyse individuelle Trainings durch, die sehr genau auf die Fähigkeiten der Wettbewerbsteilnehmer/innen zugeschnitten sind“, erklärt der Bundestrainer. Darüber hinaus werden am Bundesleistungszentrum sowohl nationale als auch internationale Wettbewerbe organisiert, zum Beispiel der hessische Leistungswettbewerb und der Auswahlwettbewerb für das WorldSkills-Team. „Ein weiterer Schwerpunkt sind internationale Trainings, die wir bisher beispielsweise bei den Firmen Sata oder Festool durchgeführt haben“, berichtete Mariusz Dechnig. „Außerdem sind wir mit unserem Team bereits zu internationalen Vergleichstrainings und Vergleichswettbewerben nach Kanada, Dänemark, Russland, Schweden, China und Brasilien gereist.“

Mariusz Dechnig zeigt Auszubildenden am BTZ Weiterstadt Arbeitsschritte zur Restaurierung des ADAC-Jugendclub-Rollers. (Foto: BTZ Weiterstadt)

Die Faszination der WorldSkills und des Lackiererberufs

„2013 durfte ich meine ersten WorldSkills erleben“, erinnert sich der WorldSkills-Experte, der als Ausbilder am BTZ Weiterstadt tätig und dort für den Bereich Farbe/Gestaltung verantwortlich ist. „Damals hatte ich das Glück und die Möglichkeit, die deutschen Fahrzeuglackierer/innen bei ihrem Debüt bei den WorldSkills in Leipzig zu begleiten und zu unterstützen. Über die Jahre habe ich durch meine Tätigkeit als Experte sehr viele interessante Menschen kennengelernt, das ist für mich eine große Bereicherung. Gemeinsam mit den jungen Fachkräften arbeiten wir ständig daran, uns zu verbessern und weiterzuentwickeln – den WorldSkills 2021 in Shanghai sehen wir jedenfalls sehr optimistisch entgegen“, so Mariusz Dechnig.

Neben den Trainings und Wettbewerben werden am BTZ Weiterstadt auch immer wieder spannende und motivierende Lehr-Projekte realisiert, die die Faszination des Lackiererberufs erlebbar machen. So haben Schülerinnen und Schüler des BTZ unter der Regie von Mariusz Dechnig und Johanna Kaiser, WM-Teilnehmerin von 2019, unlängst einen legendären Oldtimer restauriert: den ADAC-Jugendclub-Roller, der seit 1996 als Erkennungszeichen für den ADAC-Jugendclub bekannt war.

Die Vorteile des „Lernens im Wettbewerb“

Das Bundesleistungszentrum hat das Prinzip „Lernen im Wettbewerb“ als einen täglich gelebten Bestandteil am BTZ Weiterstadt etabliert. Durch den persönlichen Kontakt, aber auch durch Facebook und die regionale Presse erfahren die Lehrkräfte und die Auszubildenden, wie intensiv hier trainiert wird und wie sehr die (ehemaligen) Teilnehmenden in ihrem weiteren Berufsleben von der Vorbereitung und ihren Erlebnissen bei den Wettbewerben profitieren.

 

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