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Seit 2014 vernetzt WorldSkills International im „Champions Trust“ ehemalige Teilnehmer/innen der Weltmeisterschaft der Berufe (diese werden Champions genannt, unabhängig von ihrer Platzierung bei einer WM/EM). Daniel Christophersen aus Hannover ist nun für zwei Jahre einer von drei europäischen Abgesandten im Gremium. Der 26-Jährige nahm 2015 an den WorldSkills in Sao Paulo und 2016 an den EuroSkills in Göteborg in der Disziplin Web Design and Development teil.
WorldSkills Germany freut sich sehr über Daniels Entsendung in den „Champions Trust“ und hat mit ihm über sein Engagement gesprochen.

Daniel Christophersen arbeitet als IT-Berater in einem großen internationalen Beratungsunternehmen.
Daniel Christophersen arbeitet als IT-Berater in einem großen internationalen Beratungsunternehmen.

Daniel, was hat dich dazu bewogen, dich für den Champions Trust zu bewerben?

Tatsächlich war das eine spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus. Ich wusste nicht genau woran es lag, aber irgendwie kam es so über mich. Grundsätzlich war ich sowieso schon nach meiner Teilnahme bei den WorldSkills 2015 weiterhin aktiv dabei, sei es dann bei den EuroSkills 2016 als Teilnehmer oder als Trainer in meiner Disziplin und später dann als sogenannter Skills-Betreuer. In den meisten Fällen habe ich aber eher organisatorische Aufgaben übernommen, die im Hintergrund stattfanden. Ich habe zwar grundsätzlich kein Problem damit z.B. auf einer Bühne zu sprechen, aber wohler fühle ich mich, wenn ein Thema im Vordergrund steht und nicht ich selbst. Daher war ich auch ein Stück weit von mir selbst überrascht, dass ich mich für den Trust beworben habe, da dort schon auch die eigene Persönlichkeit wichtig ist.

Nach meinem Entschluss ging dann auch alles sehr schnell. Ich habe direkt die Unterstützung vom WorldSkills Germany-Team und Marie-Luise Fuchs, eine der Teamleader/innen für die Wettbewerbsteilnehmer/innen, erhalten und wir hatten dann auch schnell alle Unterlagen für die Bewerbung zusammen.
Ehrlich gesagt, habe ich meine Chancen auf einen der sieben Plätze im Trust nicht besonders hoch eingeschätzt. Aber nach ein paar Wochen dann die große Überraschung: Ich habe es in die zweite Runde geschafft und wurde zu einem Interview eingeladen, welches aus meiner Sicht sehr gut lief. Und noch ein paar Wochen später bekam ich dann die Nachricht, dass ich es tatsächlich geschafft habe, einen Platz im „Champions Trust“ zu ergattern.
Natürlich habe ich mich unendlich gefreut! Auf der anderen Seite fingen dann auch ein bisschen die Bedenken an: „Bin ich gut genug? Wie soll ich das schaffen? Worauf habe ich mich da eingelassen?“. Gefühle die mir irgendwie bekannt vorkamen aus meiner Zeit vor den Wettbewerben, also Fragen mit denen sich vermutlich fast jeder Champion irgendwann einmal auseinandersetzen musste.

Gerade weil wir ein so starkes Ausbildungssystem in Deutschland haben, von dem wir alle profitieren, sehe ich es als unsere Pflicht an, dass wir versuchen, dass jeder
Mensch solch gute Chancen auf eine Ausbildung hat, wie wir sie hier haben. Und spätestens mit dieser Erkenntnis waren auch alle Zweifel verflogen.

Als dann die ersten Termine mit den anderen Mitgliedern des „Champions Trust“ stattfanden, kam noch eine weitere Frage dazu: „Bin ich hier überhaupt richtig?“. Die anderen Mitglieder des Trusts haben alle total bewegende und tolle Geschichten, z.B. wie sie durch ihre Skills und der Wettbewerbsteilnahme der Armut entkommen konnten oder wie sie sich in einer Männerdomäne durchsetzen konnten. Und meine Skills-Geschichte? Ich bin ein weißer Mann, aus einem der reichsten Länder der Erde, mit einem der besten Ausbildungssysteme der Welt und ich wusste bereits mit 11 Jahren, dass ich in einer der zur Zeit begehrtesten Branchen arbeiten möchte.
Aber was im ersten Moment vielleicht wie ein Handicap klang, ist eigentlich einer der Hauptgründe warum wir uns als Deutsche auf der internationalen Bühne einbringen müssen. Gerade weil wir ein so starkes Ausbildungssystem in Deutschland haben, von dem wir alle profitieren, sehe ich es als unsere Pflicht an, dass wir versuchen, dass jeder Mensch solch gute Chancen auf eine Ausbildung hat, wie wir sie hier haben. Und spätestens mit dieser Erkenntnis waren auch alle Zweifel verflogen.

Ich habe mit dem „Champions Trust“ eine neue internationale Familie gefunden, mit der ich in den nächsten zwei Jahren gemeinsam nicht nur daran arbeite WorldSkills bekannter zu machen, sondern vor allem auch die Chancen und Möglichkeiten für Champions nach dem Wettbewerb zu verbessern.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn in zwei Jahren die nächste Bewerbungsrunde für den „Champions Trust“ startet, wünsche ich mir auf jeden Fall eine deutsche Beteiligung! Ich finde es unglaublich wichtig, dass wir jede Chance nutzen, als Botschafter unseres Ausbildungssystems aufzutreten.

Daniel gewann sowohl bei der WM in Sao Paulo 2015 als auch bei der EM 2016 in Göteborg eine Exzellenzmedaille für herausragende Leistung.
Daniel gewann sowohl bei der WM in Sao Paulo 2015 als auch bei der EM 2016 in Göteborg eine Exzellenzmedaille für herausragende Leistung.

Was möchtest du in den kommenden Jahren mit dem „Champions Trust“ bewegen bzw. hast du dir persönlich Ziele in dem Bereich gesetzt?

Es ist schon teilweise in der Antwort auf die erste Frage angeklungen. Eines unserer Hauptziele für unsere Amtszeit ist es die Chancen und Möglichkeiten für Champions nach der Teilnahme an den Wettbewerben zu verbessern.

Meine ganz persönliche Ansicht ist, dass so prägend die Vorbereitung und die Teilnahme an den WorldSkills und an den EuroSkills auch ist, und es sich hier definitiv um unglaubliche Erlebnisse handelt, es sich dabei erst um den Beginn einer unglaublich tollen Reise handeln kann. Das habe ich selbst auch am eigenen Leib erfahren. Viele meiner schönsten WorldSkills-Momente fanden tatsächlich nach den Wettbewerben statt. Durch WorldSkills habe ich einfach unglaublich tolle Menschen kennengelernt, im Grunde eine zweite Familie.

Leider haben nicht alle Champions das gleiche Erlebnis, und da kommen wir zu einem der größten Probleme der internationalen WorldSkills-Bewegung. WorldSkills hat eigentlich Zugriff auf eine der wertvollsten Ressource, die wir überhaupt in unserer Gesellschaft haben: junge, engagierte Fachkräfte. In vielen Ländern und auch auf internationaler Ebene haben wir aber leider immer wieder das gleiche Problem: Nach den Wettbewerben verschwinden die Champions in der Versenkung. Natürlich sind das teilweise auch persönliche Entscheidungen, aber ich glaube, wir müssen auch einfach zugeben, dass es bisher an bestimmten Stellen einfach sowohl an Plänen als auch an Ressourcen fehlt, um die Champions nach den Wettbewerben auf ihrem Weg zu begleiten und als Botschafter zu nutzen.
Und hier schließt sich auch wieder der Bogen zu unserem Ziel als „Champions Trust“: Wir wollen an vielen Stellen, sowohl die einzelnen Mitgliedsländer als auch WorldSkills International dabei unterstützen, diese Strukturen aufzubauen.

Wir sehen uns hier als eine Art Katalysator. Durch meine berufliche Erfahrung im Bereich der Software-Entwicklung und -Architektur habe ich persönlich vor allem die Verantwortung für die Planung einer digitalen Lösung zu dem Thema übernommen. Diese wird zwar noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber wir hoffen hier in naher Zukunft ein starkes Werkzeug für ein weltweites, aber auch für nationale Alumni-Netzwerke bieten zu können.

Darüber hinaus ist mir natürlich auch meine Rolle als Vertreter der Champions innerhalb der WorldSkills-Organisation sehr wichtig. Daher werde ich auf jeden Fall versuchen einen intensiven Kontakt mit den von mir betreuten Ländern zu halten und mich mit möglichst vielen Champions auszutauschen.

Was denkst du, wie Champions auf deutscher und internationaler Ebene für WorldSkills aktiv sein können, ohne zwingend auch Mitglied im Trust zu sein?

Ich denke da gibt es eine unendliche lange Liste an Möglichkeiten. Ich möchte zwei Möglichkeiten explizit hervorheben:

1. Der ehrenamtliche Job eines Bundestrainers bzw. einer Bundestrainerin ist ganz schön aufwendig und hart. Und ich habe noch keine/n Bundestrainer/in getroffen, die/der sich nicht unendlich über das Angebot der Mithilfe beim Training der nachfolgenden Teilnehmer/innen freut. Wer kann besser rüberbringen, wie der Wettbewerb funktioniert, als jemand der selbst schon einmal an gleicher Stelle stand?

2. Sowohl zu den WorldSkills auch zu den EuroSkills wird immer eine große Anzahl an ehrenamtlichen Helfern, den Volunteers, gesucht. Also wer nochmal einen Wettbewerb aus einer ganz anderen Perspektive sehen will, hier ist die Chance.

Und eines ist glaube ich noch ganz wichtig zu sagen: Wenn sich ein Champion bei WorldSkills Germany meldet, wird sich ganz sicher eine Aufgabe finden lassen. WorldSkills Germany hat super viele spannende Projekte am Laufen und mit noch mehr Unterstützung würden da sicher noch ein paar mehr dazu kommen. Und wer eine eigene tolle Idee hat, wird anz sicher auf offene Ohren stoßen.

So ist es! Wer sich also bei WorldSkills Germany engagieren möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Bitte senden Sie hierfür eine E-Mail an info@worldskillsgermany.com.

Vielen Dank an Daniel für dieses Interview und viel Erfolg und Spaß bei der ehrenamtlichen Arbeit als Mitglied im „Champions Trust“ von WorldSkills International. Mehr Infos zum Trust gibt es hier >>

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