Andrea Zeus, Referentin beim Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe und neue Vorstandsvorsitzende WorldSkills Germany e.V.

Demographischer Wandel, Fachkräftemangel – Schlüsselwörter, die heutzutage bereits in vielen Unternehmen Thema sind. Doch wie findet man Nachwuchskräfte, fördert sie, und wie gelingt es, sie auch an das Unternehmen zu binden?

Andrea Zeus, Referentin beim Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe und neue Vorstandsvorsitzende WorldSkills Germany e.V. über die Rolle von Berufsmeisterschaften bei der Nachwuchsgewinnung.

Handwerk setzt auf Tradition: Seit 60 Jahren messen sich hier junge Fachkräfte bei Wettbewerben. Welchen Platz nehmen berufliche Wettkämpfe in der Nachwuchsarbeit ein?
Die Wettbewerbe auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene sind dabei ein Aspekt der möglichen Maßnahmen. Sie sind ein Instrument, um talentierte Auszubildende zu fördern. Zudem werden in einer breiten Öffentlichkeit die Leistungsfähigkeit der dualen Ausbildung und der Kandidaten gezeigt. An keiner anderen Stelle können Zuschauer so hautnah erleben, was einen Beruf ausmacht und wie vielfältig er ist.

Stichwort Talentmanagement: Neben der fachlichen Weiterbildung soll auch die persönliche und soziale Kompetenz der Beteiligten gefördert werden. Wie wirkt sich eine Teilnahme an WSG-Leistungswettbewerben auf die Entwicklung aus?
Eine wissenschaftliche Studie, bei der Teilnehmer der WorldSkills und EuroSkills interviewt wurden, zeigte: 90 Prozent der Befragten schätzte ein, dass sie sich fachlich weiterentwickelt haben. Alle stellten eine persönliche Entwicklung fest. Wer sich in die Wettkampf-Atmosphäre begibt, bringt bereits Potenzial mit, das sich weiter entwickelt – ein ausgeprägter Willen zu Leistung und Erfolg sowie die Fähigkeit, diszipliniert unter zeitlichem und mentalem Druck zu arbeiten. Ganz wichtig bei Allem ist aber, dass man mit Spaß bei der Sache ist. Nicht zu Letzt zählen die Erfahrungen, die man im Team aus Teilnehmern und Experten gesammelt hat.

Welchen Wert haben die gesammelten Erfahrungen für den Berufsalltag?
Was haben Unternehmer von beruflichen Talenten?

Die Teilnehmer haben gelernt, Arbeitsmethodik und Arbeitsaufläufe zu optimieren, ihren Arbeitsplatz besser zu gestalten und unter höchstem Druck effizient zu arbeiten. Von diesem Wissen profitieren die Kollegen und Auszubildenden in seinem Umfeld. Das ist unbestritten ein Plus für den Arbeitsalltag und steigert die Wertschätzung des Arbeitgebers. Der Betrieb kann sich als guter Ausbildungsbetrieb auch im Wettbewerb um geeigneten Nachwuchs besser aufstellen. Wettbewerbe können unter dem Strich auch ein Katalysator für die eigene Karriere sein.

Gibt es dafür Beispiele im Kfz-Gewerbe?
Alle Kandidaten, die für das Kfz-Gewerbe gestartet sind, sind interessante und außergewöhnliche Berufswege gegangen. Rudolf Angerer gewann 1983 den Weltmeister-Titel im Kfz-Handwerk. Seit über 30 Jahren führt er als Inhaber ein Autohaus. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzender der Kfz-Innung Oberpfalz. Björn Bigga wurde 1999 bei den WorldSkills in Toronto für seine Leistung mit einer Excellence Medaille geehrt. Heute ist er Geschäftsführer eines Autohauses mit mehreren Niederlassungen. Der Goldmedaillen-Gewinner von 1995, Jan Feustel, arbeitet jetzt in Wien als Entwicklungsleiter bei Mercedes AMG. Viele von unseren Kandidaten fühlen sich auch noch heute eng mit der WorldSkills-Familie verbunden. Wie Rudolf Angerer: Seit 1989 ist er als Experte für die WorldSkills aktiv. Stephan Paschke übernimmt seit 2010 als Experte bei den EuroSkills unseren Skill. Björn Bigga prüft jährlich beim Praktischen Leistungswettbewerb die Bundessieger.

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