Sybille Bohland mit den Mechatronikern Felix Alt (links) und Jan Kintzi bei der Deutschen Meisterschaft auf der didacta 2019.
Sybille Bohland mit den Mechatronikern Felix Alt (links) und Jan Kintzi bei der Deutschen Meisterschaft auf der didacta 2019.

Sie haben das Know-how, sie sind hochmotiviert und sie sind unersetzlich: die Bundestrainerinnen und Bundestrainer der WorldSkills-Champions! Ihre Erfahrung und Expertise geben sie bereitwillig weiter, motivieren die Teilnehmer/innen dazu, schon während der Trainings ihr Bestes zu geben. Sie erstellen Trainingspläne und -einheiten, tauschen sich mit Kollegen anderer Nationen aus, beschäftigen sich mit dem internationalen Regelwerk und Bewertungssystem und stehen den Champions mit Rat und Tat zur Seite. Die meisten von ihnen sind während des Wettbewerbs sogar als Jurymitglieder in den jeweiligen Disziplinen tätig. Sie investieren viel Zeit in die Berufswettbewerbe. Warum? Weil ihnen die Nachwuchsförderung und die berufliche Bildung enorm wichtig sind.

Eine dieser Bundestrainer/innen ist Sybille Bohland, Ausbilderin bei Festo Didactic. Wir haben mit Sybille zu ihrem Engagement für WorldSkills gesprochen. Sie ist seit den 90ern aktiv und in diesem Jahr wieder als Expertin für die „Mechatroniker“ bei den WorldSkills Kasan 2019 dabei.

1. Seit wann bist du für die Berufswettbewerbe und WorldSkills aktiv?
Mit WorldSkills in Kontakt kam ich 1993. In diesem Jahr fand der erste Wettbewerb im Skill Mechatronik statt und Azubis von uns gewannen die Goldmedaille. Seither nehmen wir regelmäßig mit unseren Azubis an den Bundeswettbewerben teil. 1995 durfte ich das erste Mal einen internationalen Wettbewerb besuchen, damals in Lyon. Dabei ist der WorldSkills Virus vollends übergesprungen. Seit 1999 bin ich persönlich als Trainerin aktiv.

2. Was war dein bisheriges persönliches Highlight?
Das erste große Highlight als Trainerin war der Sieg bei der deutschen Meisterschaft 2005. Es folgte die Teilnahme bei den WorldSkills in Helsinki und dort der Gewinn der Silbermedaille. Das war schon grandios. Damals war ich bei den WorldSkills noch als „Heimtrainer und Besucher“ dabei, es gab einen anderen deutschen Experten bei den Mechatronikern. Es folgten die Teilnahmen bei den WorldSkills in Calgary und London in derselben Konstellation: Trainerin + Michael Linn als Experte. Daher war das nächste Highlight für mich die Rolle als Compatriot Support Expert bei den WorldSkills in Sao Paulo.

3. Du warst jetzt ein paar Jahre keine Expertin und bist dies nun wieder in Kasan. Wie fühlt es sich an, in diesem Jahr wieder die Bundestrainerin zu sein?
Es fühlt sich super an. Und das Erstaunliche: man trifft sich nach vier Jahren beim ersten Vorbereitungstreffen und es fühlt sich an, als wäre man gestern auseinander gegangen. Es ist dieser Spirit und der Virus WorldSkills, den man in einer Gemeinschaft erlebt – das gibt einem Energie und motiviert unglaublich. Da treffen sich Menschen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen, für eine Sache brennen und diese mit Überzeugung angehen. Und genau das ist es, was man auch als Ausbilder im Alltag braucht. Das ist kein Job, den man nur des Geldes wegen macht. Das geht nur mit Begeisterung und Überzeugung.

4. Was hat sich deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert oder wie denkst du, hat sich die WorldSkills-Gemeinschaft weiterentwickelt?
WorldSkills wird größer und professioneller – national und international. Das Niveau ist sehr deutlich gestiegen. Das bezieht sich sowohl auf den fachlichen Teil im Skill als auch auf die gesamten Rahmenbedingungen und die Organisation. Da das internationale Niveau deutlich zunimmt, ist es gut, dass wir auch in Deutschland die Strukturen anpassen und verbessern. Dass es dann auch noch mit den Fördergeldern geklappt hat, ist super. Den Bekanntheitsgrad in Deutschland haben wir leider nach wie vor noch nicht. Da fehlt meines Erachtens noch das Interesse in den öffentlichen Medien. Was da eben, wie im Sport, immer das Thema ist: es zählen nur Medaillen. Dass wir ein so gutes Ausbildungssystem haben, mit dem wir nach einem halben Jahr Vorbereitung, die parallel zum Job absolviert wird, unter die Top 10 kommen können, wird leider nicht gesehen.

5. Was gibst du deinen beiden Teilnehmern für Kasan auf den Weg?
Die beiden lernen momentan richtig viel. Sowohl fachlich als auch persönlich findet eine enorme Entwicklung statt. Alleine diese Vorbereitungszeit ist schon sehr wertvoll. Dazu kommt der Spirit und die Energie der deutschen Nationalmannschaft. Das ist eine ganz spezielle Erfahrung, die sie mitnehmen sollen. In Kazan heißt es abrufen: ihr eigenes Ding machen, konzentrieren, dranbleiben und durchziehen, damit sie am Ende sagen können „Wir haben gekämpft und unser Bestes gegeben“. Dann können sie stolz sein, egal wie die Platzierung ist. Ich habe immer sehr großen Respekt vor der Leistung, die unsere Teilnehmer bei diesen Meisterschaften abliefern! Und trotz aller Anstrengung sollen sie die Zeit dort genießen, auf sich wirken lassen und Spaß haben.

Wir danken Sybille und allen Bundestrainer/innen für ihr enormes Engagement für WorldSkills und das Lernen im Wettbewerb! Sie sind ebenfalls alle Champions!