Junge Fachkräfte zum Thema Politik

Dieser Beitrag erschien in Auszügen im WorldSkills Germany Magazin – Ausgabe 19 (April 2021). Lernen Sie unser Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen kennen >>

Worum würden junge Fachkräfte sich kümmern, wenn sie im Bundestag wären? Was denken sie über Politik? Was ist ihnen in der Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig? Wie könnte die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden? Was hören sie dazu von Politiker/innen und womit sollten sich diese mehr beschäftigen, wenn es um die Zukunft junger Menschen geht? Hier lesen Sie die vollständigen Interviews mit jungen Menschen aus ganz Deutschland.

Jannis Borchert (21)

Janis Borchert wird mit seinem Teamkollegen Deutschland bei den EuroSkills Graz 2021 in der Disziplin „Mechatronik“ vertreten. (Foto: Frank Erpinar)

Mechatroniker, derzeit Fachhochschule mit Schwerpunkt technische Physik, ab September DH-Studium Mechatronik geplant

„Zusätzliche Bildungsangebote, die sich nach den Interessen der Schüler/innen richten“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig?
In meiner Ausbildung war es mir immer wichtig, ein gutes Verhältnis zu meinen Ausbilder/innen und Azubikolleg/innen zu haben. Gefordert und gefördert zu werden und als Teil des Ganzen gesehen zu werden. Aufgaben zu bekommen, die mich weitergebracht haben und aus denen das Unternehmen einen Nutzen ziehen konnte.
In der Berufsschule waren mir kompetente Lehrer/innen wichtig, die durch ein hohes Maß an Erfahrung den Unterricht interessant und abwechslungsreich gestalten konnten.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Bezogen auf meinen Beruf fände ich es sehr gut, wenn ich mehr Unterrichtszeit im Programmieren gehabt hätte. Das ist eine immer wichtigere Kernkompetenz eines Mechatronikers und wird nach meinem Empfinden zu wenig unterrichtet, um im Berufsleben etwas damit anfangen zu können. Alles, was ich an Programmierarbeiten machen musste, habe ich mir selbst angelesen und beigebracht.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Ich habe mich bisher nicht wirklich um Politik gekümmert und auch kein großes Interesse daran gehabt.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Im Bildungsplan fehlt mir persönlich das, was ich später zum Leben brauche. Wie schreibe ich eine Steuererklärung, wie kann ich gut fürs Alter vorsorgen oder allgemein Dinge, die ich später für meine Selbstständigkeit brauche (Haushalt führen, Ernährung, kochen usw.).

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Ich habe mir tatsächlich noch nie Gedanken darüber gemacht, was ich tun würde, wenn ich in so einer Position wäre. Es gibt sicher viele Punkte, die man ansprechen kann und bei denen es Verbesserungspotenzial gibt. Ich würde mich dafür einsetzen, dass es an Schulen zusätzliche Bildungsangebote gibt, die sich nach den Interessen der Schüler/innen richten und außerhalb des regulären Stundenplans stattfinden. Ich hätte mir gewünscht, dass es so etwas an meiner Schule gegeben hätte. Denn wenn man erst einmal berufstätig ist, ist es schwer noch dafür Zeit zu finden.

 

Steven Schulze (29)

Steven Schulze absolviert eine Ausbildung zum Fachinformatiker in Berlin. (Foto: Steven Schulze)

Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung
„Die digitale Infrastruktur weiter ausbauen“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig?
Als besonders wichtig empfinde ich die Herausforderung und das Lernen neuer Dinge. Mein Beruf wird mich immer wieder fordern, neue Dinge zu lernen. Die Technik bleibt nicht beim alten Stand und schon morgen können wir neue Möglichkeiten schaffen, die unseren Alltag vereinfachen. Deshalb ist es mir auch wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, sich neuen Herausforderungen zu stellen und diese effektiv zu meistern.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Wir befinden uns mitten in der Pandemie und gerade jetzt ist es wichtig, in das Thema Homeoffice und in die Lernmethoden des Homeschooling zu investieren. Ich finde, die Ausbilder/Lehrer sollten speziell geschult werden, um das Thema Homeoffice/Homeschooling so effektiv wie möglich zu gestalten und ihren Lernstoff auch erfolgreich zu vermitteln – trotz der Distanz, die wir physisch zueinander wahren müssen. Wir sollten uns dabei bemühen, den Anforderungen der Zeit und der Situation gerecht zu werden.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Ich schaue mir oft, gerade in dieser Zeit, die Nachrichten und Aussagen aus der Politik an. Auch weil diese momentan unseren Alltag stark mitbestimmen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass uns regelmäßig Updates und Aussagen erreichen und diese so klar und umfangreich wie möglich sind, damit es nicht zu Verunsicherungen oder gar Angst kommt. Denn gerade wenn die Transparenz am höchsten ist, so finde ich, können wir Dinge wie Rechtspopulismus verhindern und aktiv zusammenhalten und -arbeiten.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Persönlich habe ich ja einen Beruf gewählt, der sehr stark auf die Informationstechnik ausgerichtet ist. Und dieser erfordert schon früh ein Interesse, das bei vielen auch gefördert werden sollte. Egal welchen Beruf man sich anschaut: Wir alle arbeiten in irgendeiner Form mit Computern.
Als ich noch zur Schule ging, hatte ich selten bis nie Unterstützung im Informatikbereich und habe mir alles selbst beigebracht. Auch heute höre ich von vielen jungen Menschen, die frisch die Schule abgeschlossen haben, wie wenig die Informatik und deren Grundlagen vermittelt werden.
Deshalb ist mein Appell an die Politiker/innen, die sich um das Thema Bildung/Ausbildung kümmern, dass die digitale Infrastruktur weiter ausgebaut und der Unterricht mehr mit digitalen Mitteln umgesetzt wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass keiner auf der Strecke bleibt.
Außerdem gibt es viele Familien, denen die Mittel zum digitalen Lernen fehlen. Auch für diese sollte es Möglichkeiten geben, für ihre Kinder einen geeigneten Lernraum zu schaffen.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Auch wenn dies sehr idealistisch klingt, würde ich mich für mehr Freiheit, Transparenz und Gleichheit einsetzen. Viele Menschen kämpfen gegeneinander, sowohl physisch als auch psychisch. Auch weiß ich, dass die Meinungen so unterschiedlich sein können wie Tag und Nacht. Aber wenn wir alle an einem Strang ziehen, wenn es wichtig ist, dann können wir auch gemeinsam etwas Großes erreichen. Der persönliche Egoismus und die Feindseligkeit, andere Menschen zu diffamieren, ist das, was uns allen am Ende schadet. Wir müssen neue Initiativen schaffen, die uns allen helfen. Denn am Ende unseres Lebensabends zählt nicht das Geld auf unserem Konto, sondern das, was wir denen, die nach uns kommen, hinterlassen.

 

Jaqueline Fojcik (23)

Jaqueline Fojcik würde es unterstützen, wenn Politik mehr in den Schulen behandelt wird. (Foto: lex photography/pexels)

Ausbildung zur Industriekauffrau

„Eine einheitliche Schulpolitik in Deutschland“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig?
Mir ist es wichtig, dass in meinem Arbeitsumfeld sowie in der Berufsschule eine gewisse Harmonie, Akzeptanz und Respekt herrschen.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
An der Ausbildung im Betrieb habe ich nichts auszusetzen. Ich fühle mich hier sehr wohl und komme gut mit den Kolleg/innen sowie mit den mir zugeteilten Arbeiten klar. In der Schule sieht es momentan aufgrund der Corona-Krise leider etwas anders aus. Es gibt einige Lehrer/innen, die den digitalen Unterricht sehr lehrreich gestalten, jedoch gibt es auch einige, die nicht so aktiv sind und den Unterricht ein wenig schleifen lassen.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Die Aussagen der Politiker/innen erreichen mich leider eher weniger, da ich mich mit den Menschen, die im Bundestag sitzen, kaum identifizieren kann. Meiner Meinung nach haben einige Politiker/innen nach wie vor Ansichten aus der Vergangenheit. Des Weiteren denke ich, dass oftmals weniger relevante Themen intensiver und länger diskutiert werden als Themen, die für das Volk eigentlich wichtiger sind.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Ich halte es für sinnvoll, wenn das Thema Politik intensiver in den Schulen behandelt wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass junge Schüler/innen kaum etwas von der Politik mitbekommen, ausgenommen sie schauen regelmäßig Nachrichten. Jedoch sind diese meist für junge Menschen aufgrund der vielen Fremdwörter schwer nachzuvollziehen. Außerdem fände ich wichtig, dass die Schulen den Schüler/innen das Thema Ausbildung bzw. verschiedene Ausbildungsberufe näherbringen. Es gibt oftmals junge Menschen, die nach ihrem Schulabschluss nicht genau wissen, in welche Richtung sie gehen möchten. Ich denke, das kommt daher, dass man zu wenige Informationen über die verschiedenen Ausbildungsberufe erhält.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Wenn ich im Bundestag wäre, würde ich mich um eine einheitliche Schulpolitik in Deutschland kümmern, da ich nicht wirklich nachvollziehen kann, wieso die einzelnen Bundesländer eine eigene Schulpolitik haben. Des Weiteren würde ich es für sinnvoll halten, auch junge Menschen in den Bundestag einzusetzen, da diese die Probleme der jungen Menschen am besten kennen und sich dadurch eventuell noch mehr Jüngere politisch engagieren.

 

Kenny-Lee Richter (21)

Kenny Lee Richter ist der Meinung Bildung sollte überall und ganzheitlich stattfinden. (Foto: Kenny Lee Richter)

Vizevorsitzender im Landesschülerrat Sachsen-Anhalt, derzeit Fachschule für Sozialpädagogik, ab Juli staatlich anerkannter Erzieher

„Politik muss einfacher werden, niedrigschwelliger und muss sich auch erklären“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig?
Für mich im sozialpädagogischen Bereich ist der Erfahrungsaustausch immens wichtig: mit Lehrerinnen und Lehrern, mit den Mitschülerinnen und Mitschülern – und auch im Praktikum suche ich den Erfahrungsaustausch, damit man nah dran ist an der Praxis. Die Vereinbarkeit von Theorie und Praxis ist da sehr wichtig und das klappt auch sehr gut.
Unabhängig von meiner Ausbildung erfüllt mich die Schülervertretungsarbeit in den verschiedenen Gremien sehr. Ich setze mich leidenschaftlich für meine Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Schülerinnen und Schüler meines Landkreises sowie des Landes ein, um den Schulalltag zu verbessern.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Meine Ausbildung deckt den pädagogischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen von 0 bis ca. 25 Jahren ab. Der Fokus in der Ausbildung liegt jedoch auf dem Kindergartenalter, also von 0 bis 6 Jahren. Aber es gibt ja auch die anderen Arbeitsbereiche und dementsprechend müsste der Fokus anders verteilt werden, damit man dann im Beruf auch alles abdecken kann.
In Sachsen-Anhalt gibt es das Bildungsprogramm „Bildung elementar – Bildung von Anfang an“. Das ist an sich sehr gelungen, aber es ist auch notwendig, dass man sich in der Ausbildung davon löst, denn das Problem ist, dass es sich auf 0 bis 6 Jahre konzentriert. Als ich dann zum Beispiel eine Aktivität mit Jugendlichen plante, musste ich damit arbeiten. Das funktioniert aber einfach nicht. Da müsste die Politik aktiv werden. Zwar kann auch die Schule in gewissem Rahmen abweichen, aber sie hat eben nur kleine Spielräume.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit im Landesschülerrat von Sachsen-Anhalt arbeite ich direkt mit der Politik zusammen. Dadurch bekomme ich viel mit und kann mich auch einbringen. Aber man kann ja nicht erwarten, dass sich alle so engagieren.
Deshalb muss Politik einfacher werden, niedrigschwelliger und muss sich auch erklären. Wenn zum Beispiel Veröffentlichungen auf Internetseiten unverständlich sind, dann abonniert das auch keiner. Andererseits muss aber auch das Interesse der Allgemeinheit an Politik steigen. Es ist, wie so oft, ein wechselseitiger Prozess.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Spannende Frage. Sie sollten wegkommen von dieser starren Unterrichtsplanung, weg von der Bildung, die nur im Klassenzimmer stattfindet. Da wandelt sich schon etwas, aber noch zu wenig. Zahlreiche Forschungen bestätigen, wie wichtig außerschulische Bildung ist. Deshalb muss das ganze Konzept „Bildung“ umfassender gedacht werden. Das heißt zum Beispiel auch, dass Schülerinnen und Schüler nicht mehr als zu benotende und zu vergleichende Objekte betrachtet werden dürfen. Sie müssen vielmehr Subjekte selbstständigen Lernens werden, eines Lernens, das immer und ganzheitlich stattfindet, nicht nur im Klassenzimmer.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Mein Schwerpunkt wäre die Bildungspolitik, das ist meine Herzensangelegenheit. Die beste Versicherung für die Zukunft ist die richtige Bildung. Ich möchte dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft hin zu der eben genannten Bildung kommen. Dass Bildung überall und ganzheitlich stattfindet.
Ebenso wichtig wäre mir, Partizipation mehr zu leben: Dass Kinder und Jugendliche nicht als unmündig betrachtet, sondern einbezogen werden. Der Bundestag vertritt Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene. Also müssen sie mehr gehört werden und ihre Anliegen eingebracht werden. Und zwar überall, nicht nur bei Schulthemen. Meine Überzeugung ist, dass in der Bildung die Chance liegt, als Gesellschaft voranzukommen und sich zu entwickeln und auch Großartiges zu erreichen. Man sieht das ja gerade, wie wichtig Demokratie und Werte sind. Aber dazu braucht es eine echte und lebenslange Bildung.

 

Regina Fraunhofer (21)

Regina Fraunhofer vertritt Deutschland bei der nächsten EM der Berufe – den EuroSkills Graz 2021 – in der Disziplin „Bodenleger/in“ (Foto: Frank Erpinar)

Parkettleger-Gesellin, derzeit Meisterschule für die Parkettlegemeisterin

„Politiker/innen sollten sich mehr mit jungen Menschen beschäftigen, wenn es um Themen wie Ausbildung geht.“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig gewesen?
Im Betrieb war mit am Wichtigsten, dass ich viel praktische Erfahrung sammeln kann, und alles mal ausprobieren darf. Nur durch das SELBER machen lernt man wirklich nachhaltig. Außerdem ist das Betriebsklima ein enorm wichtiger Faktor. Eine gesunde Mischung aus Respekt, Spaß und Ernsthaftigkeit ist da bestimmt am besten.
In der Schule waren mir besonders der Erfahrungsaustausch mit anderen Schülerinnen und Schülern oder die Erfahrungswerte der Lehrer/innen wichtig. Echte Geschichten, Fälle und Schäden sind wesentlich leichter nachzuvollziehen als das Schulbuchwissen. Auch der praktische Unterricht war sehr wichtig, um die theoretisch gelernten Arbeitsabläufe auch praktisch abrufen zu können.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Die Zeitabstimmung sollte eventuell besser gewählt werden. Beispielsweise sollte der Zeitpunkt des Maschinenkurses (war bei uns Ende des zweiten Lehrjahres) ins erste Schuljahr verlegt werden, da man ab dem ersten Tag auf der Baustelle mit den Maschinen in Kontakt kommt und ich es daher für sinnvoll halte, den Umgang gleich im ersten Jahr richtig zu lernen.
Wichtig ist es, für Fachtheorie und Fachpraxis fähige Lehrer/innen zu haben, die bestenfalls bereits einige Jahre in dem Beruf gearbeitet haben und eigene Erfahrungen von Baustellen erzählen können; dadurch kann man sich vieles besser vorstellen. Auch Bilder und Videos sind da eine große Hilfe.
Insgesamt denke ich, könnte das ganze System mehr an die heutige digitale Welt angepasst werden und auch damit arbeiten. Beispielsweise durch Kursangebote für Computerzeichnen o.ä.
Auch die Kommunikation zwischen Schule und Arbeitsstelle könnte besser sein: Was muss im Betrieb themenmäßig am Anfang bearbeitet werden, was wird in den nächsten Berufsschulwochen durchgenommen, kann ich mich eventuell im Betrieb schon auf das Thema einstimmen?

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Meist eher nicht, da die meisten Politiker meiner Meinung nach mehr auf die Wirtschaft und Gesamtsituation schauen, als auf konkrete Probleme. Meist wird viel versprochen, das dann doch nicht so stattfindet, oder doch anders gemacht wird.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Mit jungen Menschen. Nur diese wissen, was in ihrer Situation gut oder schlecht war/ist.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Ich würde die Fördermaßnahmen weniger kompliziert und unabhängig vom Gehalt der Eltern oder Geschwister machen, da es nicht selbstverständlich ist, dass die jungen Menschen von dem Geld etwas bekommen. Viele bekommen kein oder nur wenig Förderung, weil die Eltern zu viel verdienen. Wenn die Eltern einen aber nicht finanziell unterstützen, bräuchte man die Förderung eigentlich dringend, bekommt aber nichts.
Außerdem würde ich Hartz4 nur bestimmten Personengruppen mit „echtem Grund“ gewähren und dem Rest nur beschränkte Zeit, da ich der Meinung bin, dass jeder irgendwas arbeiten kann, wenn er nur will.

 

Leon Beisler (22)

Leon Beisler ist der Meinung, die Politik konzentriere sich zu sehr auf die älteren Menschen. (Foto: Leon Beisler)

Elektroniker für Automatisierungstechnik bei den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden

„Die Jugend besser in die Politik einbinden, sie z. B. überall mit 16 wählen lassen“

Welche Dinge sind in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig?
Mir ist in meinem Betrieb der Umgang miteinander wichtig, egal ob Meister/in oder Putzkraft. Jeder verdient den gleichen Respekt und sollte mit diesem auch behandelt werden. Und dies funktioniert auch perfekt in meinem Betrieb.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Ich war mit dem Ablauf der Ausbildung sehr zufrieden. Wenn man mit dem Stoff in der Schule Probleme hatte, hat man direkt Hilfe im Betrieb erhalten. Dafür war ich sehr dankbar, aber ich glaube, das ist auch vom Betrieb abhängig und in kleineren Betrieben ist es schwerer, solch eine Hilfe zu bekommen.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Ich finde nein, da die Politik sich viel zu sehr auf die älteren Menschen konzentriert, nicht auf uns junge Menschen. Zudem gestalten sie die Politik viel zu langweilig. Sie müssten die Jugend besser in die Politik mit einbinden, z. B. überall mit 16 wählen lassen, zumindest bei Landtagswahlen. Und man sollte innerhalb der Parteien mehrere junge Menschen ans Ruder lassen, und nicht so viele ältere Menschen.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
In der Bildung sollte die Politik viel mehr tun. Angefangen damit, die Digitalisierung zu fördern mit PCs und Laptops. Als nächstes sollte man beigebracht bekommen, wie es wirklich im Leben ist, z. B.: Wie zahle ich Steuern und wie mache ich die Steuererklärung? Oder wie teuer ist das Leben wirklich und wie sichere ich mich im Alter am besten ab, z. B. mit einer privaten Rentenversicherung? Das sind Sachen, die man am besten in der Schule lernen sollte.
Nächster Punkt wäre das Bildungssystem allgemein. Ein Beispiel dafür: Ein Affe, ein Löwe und ein Fisch stellen hier die Schüler/innen dar. Jede/r Schüler/in hat andere Eigenschaften – genauso wie die Tiere, die ich genannt habe. Unser aktuelles Schulsystem ist ein Baum, und die Aufgabe ist, auf den Baum zu klettern. Da jeder dieselbe Aufgabe bekommen hat, wirkt es ja fair. Aber ein Fisch, der andere Eigenschaften hat, schafft diese Aufgabe nicht und wird für dumm gehalten, aber eigentlich hat der Fisch viel Potenzial in anderen Dingen. Aufgrund der Aufgabe denkt dieser Fisch, er sei dumm und verschwendet sein Potenzial. Und das sollte die Regierung in unserem Bildungssystem ändern: Damit jeder sein Potenzial ausschöpfen kann und man nicht eine strikte Aufgabe bekommt, sondern nach seinen Eigenschaften bewertet wird.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Ich würde mich genau um die Punkte kümmern, die ich in den zwei vorherigen Fragen angemerkt habe.

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Cedric Schramm (18)

Cedrik Schramm tritt im Teamwettbewerb in der Disziplin „Robot System Integration“ bei den EuroSkills Graz 2021 an.

Ausbildung zum Mechatroniker

„Dem Handwerk und sozialen Berufen mehr Aufmerksamkeit schenken“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig gewesen?
In Betrieb sowie Berufsschule war mir hauptsächlich das Betriebsklima wichtig und der Umgang miteinander.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Ich persönlich finde, dass die Ausbildung besser gestaltet werden kann, wenn der Betrieb sowie die Schule mehr zusammenarbeiten würden. Mir kommt es momentan so vor, als ob jeder Bereich seinen eigenen Ablauf macht.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Mich erreichen die Aussagen, wenn sie meinen Arbeitsbereich oder mein Privatleben beeinflussen.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Ich persönlich denke, dass die Politiker/innen nicht nur die Industrie unterstützen sollten, sondern auch dem Handwerk und vor allem sozialen Berufen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Besonders in der Corona-Zeit, sodass auch mehr Leute Lust bekommen, einen solchen Beruf zu erlernen.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Ich wäre als Praktiker definitiv der falsche Mann im Bundestag.

 

Andreas Eske (24)

Andreas Eske würde sich als Bundestagsabgeordneter im Bereich Automobil engagieren. (Foto: Luke Southern / unsplash)

Technischer Systemplaner Stahl- und Metallbau

„Die Politiker/innen sollten sich um das Thema Berufswahl kümmern“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig?
Dass sich für die Azubis genug Zeit genommen wird und bei jedem Problem geholfen werden kann.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Im Hinblick auf die aktuelle Situation sollte das Homeoffice bzw. der Online-Unterricht besser ausgebaut werden, damit man von zu Hause aus besser arbeiten bzw. lernen kann.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Es kommt bei mir immer darauf an, ob das Thema mich oder mein Umfeld interessiert, dann erreichen mich die Aussagen. Sobald die Aussagen nicht meinen Interessen entsprechen, verfolge ich die Aussagen nicht mehr so stark und sie geraten schnell in Vergessenheit.

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Die Berufswahl der Schüler/innen nach der Schule ist teilweise nicht so gut durchdacht, da die Schüler/innen nicht so viel über die Berufe wissen und am Ende entspricht es doch nicht deren Vorstellungen. Darum sollten die Politiker/innen sich mehr kümmern.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Ich würde mich im Bereich Automobil kümmern, da es in den kommenden Jahren im Bereich autonomes Fahren/Elektrofahrzeuge sehr interessant werden kann und dies eine ganz andere Struktur in unserem Leben herbeiführen kann.

 

Hauke Eder (23)

Hauke Max Eder wollte bei den EuroSkills Graz 2021 in der Disziplin „Maler/in“ gegen die besten Fachkräfte Europas antreten. Aufgrund der Verschiebung der EM der Berufe auf den September 2021 und seiner Meisterausbildung ist ihm dies leider nicht mehr möglich. (Foto: Hauke Max Eder)

Maler & Lackierer in Meisterausbildung

„Mehr Aufmerksamkeit auf Soft Skills und die Gleichstellung von handwerklicher und akademischer Ausbildung“

Welche Dinge sind dir in deiner Ausbildung (im Betrieb und der Berufsschule) besonders wichtig gewesen?
Wichtig ist mir in meiner praktischen Ausbildung gewesen, dass ich eigenständig Arbeitsaufgaben von Anfang bis Ende lösen konnte. Erst dadurch habe ich fachliche Zusammenhänge richtig verstanden.
Wichtig ist mir in meiner theoretischen Ausbildung gewesen, dass ich praxisnah unterrichtet wurde. Dabei kamen Kreativität, Teamarbeit und Digitalisierung nicht zu kurz.

Was sollte in der Ausbildung (Betrieb/Schule) künftig noch mehr berücksichtigt werden? Wie könnte also die Ausbildung in Zukunft besser gestaltet werden?
Besondere Förderung bei leistungsstarken Schüler/innen, lokalere Umsetzung: Berufsschule; ÜLU, praktische Ausbildung im Betrieb.

Erreichen dich die Aussagen von Politiker/innen bzw. die Politik als solches und wenn ja/nein, warum/warum nicht?
Welche Aussagen?

Womit sollten sich Politiker/innen mehr beschäftigen, wenn es um Bildung/Ausbildung und die Zukunft von jungen Menschen geht?
Die Politiker/innen sollten sich mit einer Umstrukturierung des Schulsystems beschäftigen: Neben den schulischen Leistungen sollte man mehr Aufmerksamkeit auf Soft Skills legen und die Gleichstellung von handwerklicher Ausbildung und akademischer Weiterbildung bzw. Gleichwertigkeit voranbringen.

Worum würdest du dich kümmern, wenn du im Bundestag wärst?
Wenn ich im Bundestag wäre, würde ich versuchen, das Image des Handwerks aufzubessern, um eine lukrative Alternative zur akademischen Ausbildung gesellschaftsfähig zu etablieren.

Weitere Fachbeiträge und Best-Practices finden Sie im WorldSkills Germany Magazin, dem Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen.
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