Einfach ausprobieren - so entdecken Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Fähigkeiten und Berufe, die ihnen Spaß machen könnten.

Einfach ausprobieren – so entdecken Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Fähigkeiten und Berufe, die ihnen Spaß machen könnten.

Einmal richtig in die Welt der Berufe eintauchen und damit seine Kompetenzen entdecken – das durften 120 Werkreal- und Realschülerinnen und –schüler der 8. Klassen aus dem baden-württembergischen Renningen (Landkreis Böblingen) je einen halben Tag lang in einem Workshopareal. Doch auch 80 Gymnasiasten begeisterten sich an dem Angebot, konnten entdecken, dass berufliche Bildung spannend und erlebnisreich sein kann – die perfekte Vorbereitung, falls sie nach der Ausbildung noch zum Studieren gehen möchten.

„Das Selbermachen, das aktive Sich-ausprobieren, das Erkunden, was kann ich gut – und was eher nicht, stand an allen drei Tagen im Mittelpunkt von ‚Entdecke Deine Talente‘. Die Schüler bekommen so einen Eindruck, über welche Fähigkeiten und Interessen sie verfügen, und ob sie für bestimmte Tätigkeiten geeignet sind – eine nicht unwichtige Voraussetzung für die spätere Berufswahl“, umreißt Hans-Joachim Pröchtel, Bildungspolitischer Referent von WorldSkills Germany, das Anliegen der Berufsorientierungsmaßnahme. „Entdecke Deine Talente“ ist eine Initiative von WorldSkills Germany im engen Zusammenwirken mit dem baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und dem Staatlichen Schulamt Böblingen sowie der Bürgerstiftung Renningen und der Agentur für Arbeit Böblingen. Frühzeitig und altersgemäß beim Prozess der Berufswahl und –findung zu unterstützen ist gemeinsames Ziel aller Beteiligten am Projekt, das nach erfolgreicher Premiere 2017 zum zweiten Mal in Renningen durchgeführt wurde.

Kompetenzfelder von Praxispartnern betreut

Von qualifiziertem Personal kooperierender Unternehmen, also aus der Praxis, betreut, testeten die Schüler ihre Kompetenzfelder: Kreativ-sprachlich (Florist/in, Redakteur/in), untersuchend-forschend (Hörakustiker/in, Fachkraft für Abwassertechnik), handwerklich-technisch (Stuckateur/in), technisch-industriell (Industriemechaniker/in), kaufmännisch-verwaltend (Bankkaufmann/-frau, Großhandelskaufmann/-frau) sowie pädagogisch-helfend (Pflegefachkraft). Jede Schülerin und jeder Schüler durchlief dabei alle sechs Stationen (Kompetenzfelder), erhielt danach eine persönliche Bewertung. Die Achtklässler bekamen am Ende ein Teilnahme-Zertifikat für ihre Bewerbungsmappe mit Einschätzung der beobachteten Kompetenzen sowie berufsspezifische und zielgruppengerechte Informationsunterlagen mit auf den Weg. Ziel war und ist, die Teilnehmer für Praktika in entsprechenden Kompetenzfeldern, also Berufen, zu sensibilisieren bzw. vorzubereiten.

Breites Interesse der Schüler

„Das Kreative ist eher nicht so was für mich, aber andere im Gespräch zu beraten und mit Menschen zu arbeiten, wie vorhin bei der Pflegestation, das finde ich gut“, so die 14jährige Realschülerin Nadja. Für Mitschüler Louis, 13, ist das dagegen genau sein Ding: „Was wir am Stand des Stuckateurs gemacht haben, also das Schild zu gestalten, das finde ich klasse. So etwas ähnlich Kreatives mache ich auch in der Freizeit.“ Die Klassenlehrerin ist positiv überrascht vom Feedback der Schüler: „Es hat ihnen echt gefallen. Einige wissen jetzt mehr, was sie gern später mal machen wollen – und was eher nicht.“ Und ihre Fachkollegin von der Realschule ergänzt: „Ich glaube, für keinen ist das hier ein Pflichttermin. Ich bewundere die gute Disziplin und das große Interesse der Schüler, sich auszuprobieren. Die fragen zum Teil echt nach und sind aktiv dabei.“

Für Julian Insinger, Projektverantwortlicher von WorldSkills Germany, wirkt sich noch ein Aspekt sicher nachhaltig aus: „Die Schüler sind besonders aufgeschlossen, wenn ihnen wie an den Stationen von Sparkasse und Sandvik Coromant Auszubildende aus 1. oder 2. Lehrjahr als Bankkaufleute bzw. Industriemechaniker gegenüber sitzen. Der Altersunterschied ist nicht so groß, sie sehen wohin der Bildungsweg gehen kann und sie empfehlen ihnen Praktika, um das Richtige für die eigene spätere Ausbildung und Berufsrichtung herauszufinden.“

Ein kooperatives Schulzentrum sucht Nachahmer

Das „Renninger Modell“ baut auf den seit vielen Jahren erfolgreich ausgeübten Trainingskonzepten für berufliche Wettbewerbe von WorldSkills auf. Es ist modellhaft konzipiert, steht im Kontext zur Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen und lässt sich in jede Berufsorientierung an Schulen, schwerpunktmäßig in Klasse 8 oder 9, anpassen bzw. einbauen. Das Prinzip des Lernens im Wettbewerb soll auf die Berufsorientierung übertragen werden und Nachahmer in anderen Kommunen finden.

Das Besondere: „Entdecke Deine Talente“ hat keinen Messecharakter, ist eine neutrale Plattform und offen für alle Bereiche der beruflichen Zukunft, von der beruflichen Bildung bis zum Studium, praxisorientiert und unabhängig von den Berufen und der Schulart. Es hilft, die Intension des neuen Unterrichtsfaches Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung an den allgemeinbildenden Schulen des Landes Baden-Württemberg zu konkretisieren und umzusetzen.

Begleitet wurde das Projekt auch in diesem Jahr von Studenten des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen, die die Berufsorientierungsmaßnahme wissenschaftlich evaluieren und den Schülern einen „berufspraktischen Kompass“ in die Hand geben.

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