Wie denken junge Menschen über die Zukunft? Über das Lernen von morgen? Haben Modelle, wie das duale Ausbildungssystem, ausgedient?
Unter dem Motto ‚Von Lernenden lernen und Champions erleben‘ gab WorldSkills Germany gemeinsam mit CWS-boco am 15. und 16. März in Duisburg jungen Menschen die Möglichkeit, eigene Erfahrungen und Vorstellungen vom Lernen der Zukunft mitzuteilen und mit den Tagungs-teilnehmern in den Austausch zu treten.
So sprach Cornelius Kress, Auszubildender bei der Festo AG & Co. KG und Sieger des WorldSkills Germany-Wettbewerbs ‚Digital Youngsters 2016/17‘, über seine Generation: „In der Generation Z gibt es auf jeden Fall Leute, die motiviert sind und auch willig sind, viel für die Zukunft zu tun. Gerade im Bereich Digitalisierung und neues Lernen kann man gut auch von jungen Leuten abschauen. Es ist nicht immer die Erfahrung, die so das Wahre ist, sondern man sollte auch für neue Dinge offen sein.“

Die Tagung „Sicher in die Zukunft“, die als Zukunftswerkstatt konzipiert war, startete mit einem Barcamp, auch ‚Unkonferenz‘ genannt. „Wir finden diese andere, offene Art des Gedanken- und Wissensaustauschs enorm wichtig. Deshalb führen wir zum Auftakt der Tagung nicht nur ein Barcamp durch, sondern binden in den Austausch erneut vor allem auch junge Menschen ein,“ erklärte Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany. „In Diskussionen zum Lernen und Arbeiten der Zukunft fehlen in Deutschland häufig die Meinungen und Visionen derjenigen, die es betrifft: die jungen Fachkräfte. Deutschland braucht top ausgebildeten und motivierten Nachwuchs. Da ist es unerlässlich zuzuhören, was sich dieser eigentlich wünscht, für welche Werte die Generation Z steht und wie sich das in Ausbildungs- und Arbeitskonzepten der Zukunft abbilden lässt. WorldSkills Germany wird sich hier immer wieder einbringen und seine Arbeit mit jungen Menschen vorantreiben.“

Junge Fachkräfte und WorldSkills-Champions traten im Barcamp in einen intensiven Austausch mit Ausbildern. (Foto: Stephan Brendgen)

Junge Fachkräfte und WorldSkills-Champions traten im Barcamp in einen intensiven Austausch mit Ausbildern. (Foto: Stephan Brendgen)

Das Barcamp ermöglichte den Teilnehmern sich auf Augenhöhe aktiv an Diskussionen und Workshops zu Themen rund um das Lernen und Arbeiten von morgen zu beteiligten. Auszubildende trafen auf Ausbilder und Personalverantwortliche und regten gemeinsam einen intensiven Wissensaustausch an, z.B. zu den Themen ‚Was motiviert junge Menschen vs. keine Lust auf gar nichts‘ und ‚Wie kann Lernen im Wettbewerb noch stärker in der beruflichen Bildung genutzt werden‘ sowie auch zur Digitalisierung in der Ausbildungs- und Arbeitswelt.

Berufe-Champions gaben Einblick in persönliche Entwicklung nach EM- / WM-Teilnahme

Rudolf Angerer, Goldmedaillengewinner bei der Weltmeisterschaft der Berufe 1983 und ehemaliger Bundestrainer im Skill KFZ-Mechatroniker, sowie Champions weiterer Europa- und Weltmeisterschaften der Berufe faszinieren die Anwesenden mit ihren ganz persönlichen Erfolgsgeschichten. „Was ich als Teilnehmer erlebt habe, wollte ich als Experte dann zurückgeben,“ sagte Angerer. „Es kümmert sich jemand um dich, du kannst Leistung zeigen und erlebst Besonderes.“ Daniel Christophersen, Exzellenzmedaillengewinner der WorldSkills Sao Paulo 2015 und der EM der Berufe, den EuroSkills Göteborg 2016 in der Disziplin Web Design and Development, konnte sich gleich zweimal auf internationaler Ebene beweisen: „Bei den WorldSkills in Brasilien waren das so viele Eindrücke, die habe ich erst später so richtig verarbeiten können. Die EuroSkills in Göteborg habe ich eher genutzt, um Kontakte zu knüpfen, mich mit anderen Teilnehmern auszutauschen. Erst da habe ich begriffen, was das für eine große, globale Sache ist. Ich habe mit den WorldSkills gelernt, vielseitig zu sein, aus Fehlern zu lernen und über die eigenen Grenzen zu gehen. Das hilft im Job heute.“

Duisburgs Bürgermeister Erkan Kocalar ehrte internationale Berufswettbewerbe

Zur ‚Nacht der Helden‘ sprach am Abend u.a. Duisburgs Bürgermeister Erkan Kocalar zu den Gästen. Er baute dabei die Brücke von der Internationalität der Stadt im Veranstaltungs- vor allem im Sportbereich hin zum beruflichen Wettkampf. „Es ist eine besondere Ehre zu wissen, dass hier in Duisburg 1961 die ersten internationalen Berufswettbewerbe auf deutschem Boden stattfanden. Darauf sind wir noch heute sehr stolz,“ so Kocalar. „Duisburg hat zahlreiche große und auch mittelständische Betriebe, die alle motivierte junge Fachkräfte als Nachwuchs benötigen. Es wäre toll, wenn künftig auch noch mehr junge Menschen aus Duisburg an nationalen und internationalen Berufswettbewerben teilnehmen und ihr Können in ihren Berufen zeigen.“

Wir hießen die WorldSkills-Flagge feierlich in Duisburg willkommen. (Foto: Stephan Brendgen)

Wir hießen die WorldSkills-Flagge feierlich in Duisburg willkommen. (Foto: Stephan Brendgen)

Historischer Moment – WorldSkills-Flagge macht Station in Deutschland

Ein weiterer Höhepunkt und historischer Moment war der Empfang der WorldSkills-Flagge vor den zahlreichen Anwesenden. Ähnlich dem olympischen Feuer reist die Flagge auf ihrem Weg zur nächsten Weltmeisterschaft der Berufe in Russland, den WorldSkills Kazan 2019, derzeit durch ehemalige WorldSkills-Nationen. Nach ihrem Aufenthalt auf der internationalen Weltraumstation ISS machte sie nun auch in Duisburg Station, dem Ort, an dem 1961 die ersten internationalen Berufswettbewerbe auf deutschem Boden stattfanden. Bürgermeister Kocalar, Franz Schropp (Senior Technical Delegate von WorldSkills Germany und seit den internationalen Berufswettbewerben in München 1973 für WorldSkills aktiv) sowie Jens Bielicke (Technischer Delegierter von WorldSkills Germany) brachten repräsentativ für die drei bisher in Deutschland veranstalteten internationalen Berufswettbewerbe (1961 Duisburg, 1973 München und WorldSkills Leipzig 2013) Logos als Aufnäher auf die WorldSkills-Flagge an, die von WorldSkills-Champion Rudolf Angerer in den Saal getragen wurde. Andrea Zeus (Vorstandsvorsitzende von WorldSkills Germany) sendete Grußworte zu den WorldSkills Kazan 2019. Im Anschluss wurde die Flagge zur nächsten Station, Zwolle in den Niederlanden, verabschiedet.

Fachgruppen diskutieren Zukunft der Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften

‚Sicher in die Zukunft‘ war am Freitag das große Thema der Veranstaltung. Gemeinsam mit Werner Münnich (Head of Central Product Management Textile Care CWS-boco Deutschland GmbH) beleuchtete Dirk Baykal (Projektmanager und CSR-Koordinator der CWS-boco Supply Chain Management GmbH) in einem Impulsreferat interaktiv die Punkte Risiken vs. Sicherheit, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Fachkräftenachwuchs und die Digitalisierung als Chance. Anschließend widmete sich Prof. Dr. Michael Heister (Leiter der Abteilung Berufliches Lernen, Programme und Modellversuche im Bundesinstitut für Berufsbildung) in einem Vortrag den Fragen, ob die jetzigen Berufsbilder und Berufsordnungen in der Zukunft noch Bestand haben und wie sich das Verhältnis der Lernorte Betrieb, Berufsschule und überbetriebliche Bildungsstätte verändern. „Wenn wir das Thema Wirtschaft 4.0 ernst nehmen, dann wird Fachwissen bei verbleibenden oder neu entstehenden Arbeitsplätzen immer wichtiger. Damit wird die Bedeutung des Lernortes berufliche Schule steigen,“ so Heister. „Aber es ist auch nicht zu vergessen: es wird sicher alles high-tech, aber vergessen Sie bitte die Jugendlichen dabei nicht.“
In daran anknüpfenden Workshops wurden diese Themen von weiteren Referenten vertieft sowie um zusätzliche WorldSkills-Themen ergänzt.

Die Pressemitteilung hier herunterladen >>

Unsere Bildergalerie der Veranstaltung (Fotos: Stephan Brendgen und Jörg Wehrmann):

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